Vakuumverpacken mit Saugschnabel: So funktioniert es
Vakuumverpackte Produkte sind vor Staub, Feuchtigkeit, Sauerstoff und Verschmutzung geschützt, brauchen weniger Platz und kommen transportsicher beim Empfänger an. Deshalb wird Vakuumverpacken in vielen Branchen eingesetzt, von Medizintechnik, Elektronik und Optik über Maschinenbau und Automobilzulieferer bis zu Lebensmittelverarbeitung, Logistik und E-Commerce. In diesem Ratgeber erfahren Sie, wie ein Vakuum-Folienschweißgerät mit Saugschnabel arbeitet und worauf es bei Gerät, Beutel und Einstellung ankommt.
Das Prinzip: Absaugen über den Saugschnabel
Bei einem Vakuum-Folienschweißgerät mit Saugschnabel (auch Sauglanze oder Düse genannt) bleibt das Produkt außerhalb der Maschine. Nur die Beutelöffnung wird über den Saugschnabel geführt. Das hat einen großen Vorteil: Die Größe des Produkts ist nicht durch eine Vakuumkammer begrenzt. Auch große, lange oder sperrige Teile lassen sich vakuumieren, solange die Beutelöffnung zur Schweißnahtlänge des Geräts passt.
Der Ablauf Schritt für Schritt
- Beutel auflegen: Die Beutelöffnung wird glatt und faltenfrei über den Saugschnabel gelegt.
- Start auslösen: Per Hand- oder Fußtaster schließen sich die Schweißbacken und dichten den Beutel um den Schnabel ab.
- Vakuumieren: Die Luft wird über den Schnabel aus dem Beutel gesaugt, bis die eingestellte Zeit oder der eingestellte Vakuumwert erreicht ist.
- Optional begasen: Bei Geräten mit Schutzgasfunktion wird nach dem Absaugen ein Schutzgas in den Beutel eingeleitet.
- Verschweißen: Der Saugschnabel gibt die Öffnung frei, und der Beutel wird luftdicht verschweißt.
- Abkühlen und öffnen: Die Naht kühlt unter Druck ab, dann öffnen sich die Backen.
Vakuumerzeugung: Pumpe oder Ejektor?
Geräte mit integrierter Vakuumpumpe
Modelle wie das Vakuum-Folienschweißgerät KT-VP erzeugen das Vakuum mit einer eingebauten Pumpe. Sie brauchen nur einen Stromanschluss, sind kompakt und lassen sich flexibel an verschiedenen Arbeitsplätzen einsetzen. Sie sind ideal für den täglichen Einsatz in Gewerbebetrieben und für viele Standardanwendungen.
Geräte mit Ejektor
Beim Vakuum-Folienschweißgerät KT-EJ erzeugt ein Ejektor das Vakuum mithilfe von Druckluft. Ein Ejektor kommt ohne mechanische Pumpe aus, ist wartungsfreundlich und erreicht eine höhere Saugleistung. Dadurch wird der Verpackungsvorgang schneller. Die Schweißbacken schließen pneumatisch. Das Ejektor-Prinzip eignet sich besonders für hohe Stückzahlen im Dauerbetrieb und für Anwendungen mit Staub, Pulver oder Feuchtigkeit. Voraussetzung ist ein Druckluftanschluss am Arbeitsplatz.
Single oder Bi-Aktiv: das richtige Schweißsystem
- Single (ein Schweißdraht): für PE- und PA/PE-Folien, die Standardlösung für die meisten Vakuumbeutel.
- Bi-Aktiv (zwei Schweißdrähte): Der Beutel wird von beiden Seiten verschweißt. Das ist die richtige Wahl für Verbundfolien wie Alu/PE sowie beim Verpacken von Pulvern und Flüssigkeiten, wo eine besonders dichte und reißfeste Naht gefragt ist.
Welche Beutel eignen sich?
Da beim Saugschnabel-Prinzip direkt im Beutelinneren abgesaugt wird, können Sie in der Regel glatte Beutel verwenden. Spezielle geprägte Strukturbeutel sind nicht nötig. Entscheidend ist das Folienmaterial:
- PE-Beutel schützen vor Staub und Feuchtigkeit, lassen aber auf Dauer Sauerstoff durch.
- PA/PE-Verbundbeutel bieten eine deutlich bessere Sauerstoffbarriere und sind der Standard für klassische Vakuumverpackungen.
- Alu-Verbundbeutel (z. B. Alu/PE) bieten die höchste Barriere gegen Sauerstoff, Feuchtigkeit und Licht, etwa für empfindliche Elektronik oder Langzeitlagerung. Dafür wird das Bi-Aktiv-Schweißsystem benötigt.
Passende Beutel finden Sie in unserer Kategorie Folienbeutel.
Vakuum richtig einstellen
Die Vakuumsteuerung erfolgt entweder über die Zeit oder über den Vakuumgrad mit dem eingebauten Vakuumsensor.
- Zeitsteuerung eignet sich für gleichbleibende Produkte und Beutelgrößen.
- Sensorsteuerung sorgt für reproduzierbare Ergebnisse, auch wenn Beutelvolumen oder Produktform variieren. Das Gerät vakuumiert, bis der eingestellte Wert erreicht ist.
- Druckempfindliche Produkte wie weiche Teile, Textilien oder Schaumstoffe vakuumieren Sie mit geringerem Vakuum oder nutzen die Schutzgasfunktion.
- Feste Abläufe speichern: In den 5 Programmspeichern hinterlegen Sie Einstellungen für wiederkehrende Produkte. Die Sperrfunktion verhindert versehentliche Änderungen.
Schutzgas: wenn Vakuum allein nicht reicht
Mit der Schutzgasfunktion wird nach dem Absaugen ein Schutzgas oder Gasgemisch in den Beutel eingeleitet, bevor er verschweißt wird. Pro Programm lassen sich bis zu 4 Vakuumzyklen und 3 Begasungszyklen kombinieren. Durch mehrfaches Absaugen und Begasen sinkt der Restsauerstoff im Beutel weiter. Schutzgas ist sinnvoll, wenn Produkte nicht zusammengepresst werden dürfen oder eine sauerstoffarme Atmosphäre gefordert ist, etwa bei korrosionsempfindlichen Metallteilen, Elektronik oder Lebensmitteln.
Pulver, Flüssigkeiten und hohe Produkte
- Pulver und Granulate: Ein Pulverfilter verhindert, dass feine Partikel beim Absaugen in Vakuumerzeugung und Ventile gelangen.
- Feuchte Produkte und Flüssigkeiten: Der Feuchtigkeitsfilter trennt Flüssigkeit, Kondensat und Aerosole aus dem Luftstrom und schützt die Vakuumkomponenten vor Korrosion und Leistungsverlust.
- Hohe Produkte: Der lange Vakuum/Gas-Schnabel (6,5 cm) erleichtert das Verpacken, wenn der Standardschnabel nicht weit genug in den Beutel reicht.
Ergonomie am Arbeitsplatz
Je nach Produkt und Beutelgröße unterstützt ein passender Maschinenunterschrank den Verpackungsablauf:
- KT-M1 mit Tischauflage für Standardanwendungen
- KT-M2 mit geneigter Auflage für losen oder empfindlichen Inhalt
- KT-M3 mit höhenverstellbarem Tisch für senkrecht stehende Beutel
Hinweis für Lebensmittel
Vakuumverpacken verlangsamt Oxidation und das Wachstum vieler Mikroorganismen, ersetzt aber keine Kühlung. Kühlpflichtige Lebensmittel müssen auch vakuumverpackt gekühlt gelagert werden. Beachten Sie die für Ihren Betrieb geltenden Hygienevorschriften.
Das passende Gerät finden
Welches Vakuum-Folienschweißgerät zu Ihrer Anwendung passt, hängt von Beutelgröße, Folienart, Produkt und Stückzahl ab. Eine Übersicht finden Sie in unserer Kategorie Vakuum Folienschweißgeräte. Wie die Schweißnaht entsteht, erklären wir im Ratgeber So funktioniert ein Impulsschweißgerät.
Sie möchten testen, wie Ihr Produkt vakuumverpackt aussieht? Fordern Sie über unser Anfrageformular eine kostenlose Probeverpackung an oder rufen Sie uns an: +49 711 234 383 00 (Mo–Fr, 08:00–17:00 Uhr).